Der Fotograf

Stephan Böhlig lernte ich 2008 im Internet kennen. Das mag für manche vielleicht seltsam und nach Partnerbörse klingen, ist aber heute in Zeiten von Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken kein wundersames Phänomen mehr. Was mir sofort auffiel, war sein Witz. Im Wort, aber auch im Foto. Seine Bilder, die er postete oder online auf seine Homepage stellte, zeigten das Leben mit einem gewissen Augenzwinkern und und sich selbst mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Lebenslust ist lustiges Leben – das war für mich der „Boehler“, wie sich Stephan Böhlig im Netz nennt.
Ihn aber darauf zu reduzieren, würde ihm, der 1983 in Dresden geboren wurde, nicht gerecht werden. Stephan Böhlig hat ein Talent, das nur wenigen Fotografen zu eigen ist. Seine Portraits kehren das Innerste eines Menschen nach außen oder – und auch das ist große Kunst – sie zeigen den Menschen so, wie er sich selbst gerne sieht. Noch heute gehören viele Fotos der Serie „Ich fotografiere meine Follower“ (Follower sind bei Twitter so etwas wie „Freunde“) zu dem Besten, was ich persönlich in diesem Genre gesehen habe. (Lieber Böhler, meins gehört leider nicht dazu, was aber an dem Abend VOR dem Shooting lag.)
Stephan Böhlig ist Autodidakt. Das Fotografieren hat er selbst beigebracht, als er nach dem Abitur, das er in Radeberg machte, seine erste Kamera geschenkt bekam. Fortan entdeckte er seine Heimat mit dem Objektiv. Wobei seine Heimat weniger das satte Grün der sächsischen Weinberge oder der Canaletto-Blick Dresdens war, sondern die Subkultur der Landeshauptstadt. In den Clubs entstanden Konzert-Fotografieen, die so lebten, dass man die Riffs und Beats zu hören und den Geruch von Schweiß und Bier in der Nase zu haben glaubt. Und noch heute „durchstreift“ er seinen „Kiez“, die Dresdner Neustadt, als „Spazierboehler“ mit dem Kamera und/oder dem iPhone in der Hand und hält so Leben der Menschen zwischen Königsbrücker und Hansastraße fest.
Seit 2007 ist der Sohn zweier Diplom-Ingenieure und Bruder eines Informatikers selbstständig mit seiner Firma „Livemoment“. Natürlich hat er auch für die SUPERillu, der mit 3,5 Millionen Lesern größten Kaufzeitschrift in den neuen Bundesländern, gearbeitet. Nicht nur, dass er immer zuverlässig war – was für Blattmacher genauso wichtig ist, wie die fotografische Kunst –, nein, der „Boehler“ hat bei den Menschen, die er für SUPERillu traf, auch immer einen positiven Eindruck hinterlassen. Eine Eigenschaft, die ihn von mancher Pressefrau und von manchem Pressemann definitiv unterscheidet.
Der „Boehler“ liebt die Menschen und das Leben, deshalb fotografiert er, wie er fotografiert. In „Facebook“ gibt es eine Seite, die heisst: „Fotografen sind sexy.“ Sie könnte von Stephan Böhlig initiiert sein. Dagegen spricht: Die Seite hat nur drei Fans. Dafür spricht: Lebenslust ist lustiges Leben.

Patrick Ziob.