..oder auch der absolute Supergau am Ehrentag.

Einige wissen ja sicherlich, dass ich letzten Freitag Geburtstag hatte. Der 25. und so. Ich lege ja eigentlich keinen Wert auf Festivitäten oder ähnliches und will auch um Himmels willen jetzt keine nachträglichen Glückwünsche. Wers am Freitag nicht geschafft hat, ist eh unten durch. ;)

Egal…was mir jedoch dieses Jahr passiert ist, muss ich nie und damit meine ich NIE wieder erleben. Erst recht nicht an meinem Geburtstag.

Es begab sich, dass ich gegen 10:30 einen Anruf bekam, dass sich auf der A4 in Richtung Leipzig ein schwerer Unfall zugetragen hatte. Eigentlich wollte ich ja 2 Tage nicht arbeiten, aber wie das nunmal so ist, sprang ich aus dem Bett – in die Klamotten und auch direkt ins Auto. Kein Frühstück und auch keine Zeit für ne Dusche oder ähnliches.
Unser Kameramann war schon da und erstattete mir Bericht, schoss schon ein paar Fotos etc. Er musste aber beizeiten wieder los, da er Termine hatte.
Also schoss ich in die Richtung und kam auch bald am Rückstau an.

Dort schlängelte ich mich so einigermaßen durch, bis ich ungefähr 300 Meter vorm Unfallort wirklich nicht mehr durchkam und das Auto auf dem Seitenstreifen abstellte – Presseschild rein – Warnblinker an. Großer Fehler! wie sich später herausstellen durfte.

Ich betrachtete so den Unfall und dachte die ganze Zeit: Super, ausgerechnet heute.
Ein LKW fuhr fast ungebremst in ein Stauende, erwischte einen Hänger und damit auch 3 andere PKWs. Für die meisten Beteiligten ging es glimpflich und so gut wie ohne Verletzungen ab. Glattes Wunder eigentlich. Der LKW-Fahrer jedoch verstarb leider am Unfallort. Ausgerechnet heute, dachte ich wieder.

Also schoss ich so die Fotos, die die Tagespresse interessieren könnten. Hier mal zur Textauflockerung ein paar Beispiele:





Nicht schön, muss aber gemacht werden.
Die ganze Fotografiererei zog sich 4 Stunden hin, da es ewig dauerte, bis die Unfallstelle durch die Gutachter und den Staatsanwalt freigegeben wurde.
In der Zeit unterhielt ich mich mit den anderen Unfallopfern, die alle unisono sagten: “Wir feiern ab heute den Tag als 2. Geburtstag…” Zu Recht natürlich.
Lachen konnten sie dann jedesmal, wenn ich ihnen dann erklärte: “Ich im übrigen auch…” Wir waren uns dann alle einig, dass wir zum Geburtstag dann doch andere Sachen erleben wollten.

Irgendwann zwischendurch wollte ich meiner Agentur nen kleinen Zwischenbericht geben. Schaut auf mein Handy und stellte fest: Nix. Da war nix mehr – Display aus – Handy aus. Tot. Seltsam, ich hatte es extra über die Nacht geladen. Naja egal, wollte ja eh irgendwann los und die Bilder abliefern.

Aber weiter im Text. Nachdem ich 4 Stunden in der Hitze stand und nur dank dem THW, der irgendwann Kübel mit kühlem Tee vorbeibrachte, nicht völlig dem Sonnenstich erlag, ging ich zurück ins Auto. Eigentlich dann relativ gut gelaunt, war ja – zumindest aus Zeitungssicht – keine schlecht zu verkaufende Geschichte.

Ab ins Auto – kurz was trinken. Motor anlas… tja – Motor anlassen war das richtige Stichwort. Denn: Nix. Da war nix mehr. Kurzes seltsames Geräusch, aber kein anspringender Motor. Ich dachte mal wieder: Ausgerechnet jetzt. Eigentlich dachte ich: “DU §$$§”%§$&”§$”§$1″§!”§ !”§$”§$!” 2§”§$”§$% “%§%”§ von Auto, spring gefälligst an.” Mein Manni hatte mich noch nie im Stich gelassen. NIE. Jetzt schon. Kein Wunder, wenn man einfach mal bei einem älteren Auto die Warnblinker 4 Stunden anlässt.

Naja, halb so wild dachte ich dann..rufste mal den ADAC, der wirds ja wohl schaffen den Stau ein wenig zu umfahren und dir dann Starthilfe zu geben. Aber: Ha, nicht die Autobatterie war ja alle … neeeein, natürlich auch noch das Handy.. großes Kino. Wenn dann richtig. Verdammter Tag. MIST!!! uswusf…

Also gabs nur eins: Zurück zum Unfallort laufen. Da traf ich die Jungs vom THW wieder und fragte freundlich ob sie mal ein Handy für mich hätten, bzw die gelben Engel für mich rufen könnten. Handy ja – Nummer vom ADAC nein. Also ging ich zu den Jungs in Weiß-Grün und fragte da höflich nach. Kein Problem, ADAC informiert – es würde ein Weilchen dauern, wäre ja Stau, ich solle aber trotzdem schonmal zurück zum Auto gehen, man wisse ja nie, wann die HelfersHelfer kommen würden.

Also zurück ins Auto und das einzige Magazin, was noch im Auto lag, der “Journalist” geschnappt. Man kommt ja sonst nie dazu das Blatt zu lesen.
Als ich mich wütend und sauer in mein Auto wurf, machte es PENG! oder auch KAZONG! und mein Hosenknopf platzte ab. Super! Vor lauter Wut auch noch zugenommen. Ausgerechnet heute, wo ich kurz vor der idealen Bikinifigur stand.

Meinen Zustand danach drück folgedes Foto ganz gut aus:

In meinem Kopf schwirrte die ganze Zeit ein einziges Wort hin und her: SINNLOS!!!

Aber, die Hoffnung war ja da, dass der ADAC nicht so ewig brauchen würden, es fing an mit Regnen, es folgte ein Gewitter, was zumindest die Temperatur etwas angenehmer gestaltete. Nach einer Stunde wartens und völlig konzentrationslosem Lesens verließ mich dann doch die Lust auf das Blatt. Also…so weiter warten und chillen und vor allem: HOFFEN!

2 Stunden später… ich hatte in der Zwischenzeit nochmal einen Spaziergang zur Unfallstelle gemacht und die netten Helfer in grün um einen zweiten Anruf beim ADAC gebeten, den sie allerdings nicht taten, die die gelben Jungs ja eh im Stau stehen würden. Meine Warnblinker hatten völlig den Geist aufgegeben, kein Radio, kein gar nichts. Ich hatte kurz vorher ein recht freundliches älteres Ehepaar in einer Mittelklasse Limousine kennengelernt, die ein wenig Mitleid heuchelten und mir dann daher auch vertrauensvoll ihr Handy liehen. Die einzige Nummer, unter der ich jemanden erreichen konnte, die ich auch noch im Kopf hatte, war meine eigene alte Nummer. Mittlerweile im Besitz von Sarah, der ich auch nur in wenigen Sekunden eintrichterte, dass sie bitte in der Agentur anrufen sollte, ich käme später, Auto kaputt etc etc… Aufgelegt, weil Ehepaar fuhr langsam weiter.

Weiteres Warten. Mittlerweile hatte ich miich entschieden einen kleinen Spaziergang auf der Autobahn Richtung Dresden zu machen. Wenn der ADAC kommen sollte, hätte er ja an mir vorbei gemusst. Also lief ich eine gute halbe Stunde auf dem Standstreifen herum, ließ mich von den im Stau verendenden Fahrern begaffen und traf tatsächlich noch ne Kickerbekanntschaft aus Dresden. Irgendwann wurde aber selbst das zu langweilig, außerdem entpuppte sich jedes gelbe Auto, welches für mich ein Hoffnungsschimmer hätte sein können, als fahrender Hähnchengrill oder ähnliches. Vielleicht auch ne Fata Morgana, Knast hatte ich ja auch, mein Magen war seit dem letzten Abend ja wie leer gepumpt. Ich fragte unmengen von Menschen nach einem Überbrückungskabel, die meisten wollten oder konnten mir nicht helfen, einige kurbelten nicht mal ihr Fenster herunter. Sah ich so angsteinflößend aus?

Als ich dann zurück am Auto war, hockte ich mich, der Robinson Crusoe der A4, neben mein Auto und betätigte mich mit meiner neuen Lieblingsbeschäftigung: WARTEN!
Nebenbei überlegte ich, wie die Zeitungsüberschrift wohl lauten würde: “Pressefotograf mit Bombengeschichte vertrocknet auf Autobahn! Die Warnblinker sind schuld!”
Bundesweites Aufsehen, der ADAC weißt jede Schuld von sich, ich sei ja kein PLUS Mitglied gewesen. Großes Kino.

Als ich so weiter überlegte hielt auf einmal hinter mir ein Auto. Einer der beliebten Sixpacks der hiesigen Polizei.
“Na, was hammer denn?” – “Batterie alle, vermut ich mal..komm nicht los.” – “Wie kann das denn beim Fahren passieren?” – “Ick bin Fotograf, hab da vorn Fotos gemacht – nix mit fahren.” – “Aha, wieder alles laufen gelassen und abgehauen, was? – Ihr Schournalisten seid mir schon welche” – “Ne, nur Warnblinker” – “Aha, dann schaumer mal, ob dich hier jemand wegschleppen könnte”

Gesagt und getan, der nette Beamte versuchte friedliche im Stau stehende Menschen dazu zu verdonnern mich von der Autobahn zu schleppen. In der Zwischenzeit kam von hinten noch ein Motorrad – ein ADAC Stauengel. Kurze Freude bei mir, dann wurde mir gesagt, dass er mir sowieso nicht helfen könne, kein Strom, nix mit der Pannenhilfe zutun etc. SAULADEN! Aber freundlich war er. Der Mensch in grün war mittlerweile genervt von den Menschen und gab mir ein Abschleppseil aus dem Auto – ich solle es irgendwann mal wieder auf die Wache bringen, gehöre ja in seinen Karren. Klar kein Problem. Nur wer zieht mich von der Autobahn? Keiner … wollte einfach niemand. Nach weiteren 20 Minuten erbarmte sich der Sheriff mit dem Satz: “Wurscht jetzt – wir müssen doch auch so ne dämliche Öse am Bus haben..wir ziehen dich jetzt hier runter.” Der Stauengel stimmte zu und sagte, dass er uns begleiten würde und mein Heck absichern würde.

Dem Himmel sei Dank!!!! oder wem auch immer.

Nach einer weiteren viertel Stunde, und einer sehr sehr amüsanten Abschleppaktion zwischen Sixpack und ADAC Moped stand ich dann unterhalb der Abfahrt Willsdruff.
Die Polizei verabschiedete sich mit den Worten, wenn immernoch kein ADAC kommt, dann sei da vorn in einem Kilometer ne Autowerkstatt, ich solle mir ne neue Batterie kaufen. Danke. Danke. Danke. Immerhin was. Das Stauengelchen lieh mir sein Firmenhandy, musste aber erstmal nachschauen, wie eigentlich die ADAC Servicehotline sei. Man Man Man. Ich rief nochmals an und mir wurde gesagt, dass der Wagen der bestellten Firma blahblah vor einer Stunde in Dresden losgefahren sei. VOR EINER STUNDE???? Ich warte schon 4!!!! Ja, das sei nicht eher durchgestellt worden. AUSGERECHNET HEUTE! Egal, meine aktuelle Position wurde im System aktualisiert und ich blickte hoffnungsvoll auf die Autobahnabfahrt. Nach einer weiteren halben Stunde rumstehens, packte ich meine Kamera und wollte eben Richtung Autowerkstatt laufen.

DA, da kam ein ADAC Wagen, exakt von der Firma, die mir am Telefon genannt wurde, die Autobahnabfahrt herab gefahren. JUHU! Die Rettung! DACHTE ich.

Ich winkte ihn zu mir heran, damit er mich gar nicht erst übersehen konnte. Und das wär ja nun zu schön, wenn das jetzt hier ein Ende nehmen würde, das viele Gelese nervt wahrscheinlich schon. WEIT gefehlt. Der Fahrer des Wagens winkte ab und brauste vorbei. Richtung Wilsdruff.

Kurz vorm Nervenzusammenbruch. 2000 Puls !!! Mein Hals war so breit wie der Ärmelkanal. Mindestens!

Kurzes Warten, vielleicht hatte er seinen Irrtum ja bemerkt. Nichts, gar nichts. Nun völlig am Ende begab ich mich also doch zur Werkstatt. Nach 20 Minuten zu Fuß erreichte ich diese auch und traf auf freundliches Personal, ein wenig langsam, aber freundlich… Wir fuhren zurück zu Manni und versuchten uns an der Starthilfe.

Hoffnungsschimmer!

Der Wagen bekam sofort wieder Saft. ABER … er sprang nicht an. Warum auch, wäre ja zu viel verlangt. Meine sofortige Diagnose: Die Wegfahrsperre ging nicht aus.
Das ist so ne kleine externe, mit externer Fernbedienung am Schlüsselbund. Die kleine rote Leuchte, die die aktive Sperre anzeigte, wollte einfach nicht ausgehen.

Hoffnung beendet!

Der freundliche Servicemitarbeiter schleppte mich in die Werkstatt und ich probierte weitere 10 Minuten die Sperre zu lösen. Nichts funktionierte.

AUSGEEEERECHNET HEUTEEE!!!

Ich schobs nun auf die Fernbedienung, diese war sicherlich einfach Defekt.
Mit Hilfe des Autohauses rief ich daheim an, erklärte kurz die Situation und bat darum die zweite Fernbedienung zu suchen, die irgendwo rumliegen müsste.
War natürlich nicht aufzufinden. War ja klar. Also war die nun letzte Möglichkeit das Auto stehen zu lassen und auf meinen Abholservice von daheim zu warten.
Die Laune sank endgültig auf -2000 Punkte.

War ja aber nun endgültig nicht mehr zu ändern, also ging ich erstmal in den Netto gegenüber, kaufte mir ein paar Buletten und Brötchen, um wenigstens endlich mal zu frühstücken. Zeitpunkt: Ca. 20.00 Uhr. Etwa 9 Stunden nachdem ich das Haus verlassen hatte.

Ich setzte mich wieder ins Auto, aß das erste Brötchen und spielte an der Wegfahrsperre rum. Klack! Rotes Licht aus. Ich schaute extrem ungläubig und versuchte den Schlüssel rumzudrehen. Er sprang an.

ER SPRANG AN!!!! Völlig irre. Warum auch immer. Aber er lief. Ich rannte ins Autohaus zurück, bat um einen weiteren Anruf und sagte den Fahrservice ab. Ich hätte vor Freunde heulen können, das schönste Geburtstagsgeschenk ever war eine wieder ausgehende Wegfahrsperre.
Ich fuhr daraufhin Richtung Dresden, lieferte die Bilder in der Agentur ab und kam dann gegen 21:00 Uhr zu Hause an.

Völlig am Ende. Ausgebrannt, Hungrig aber dann doch ganz glücklich. Natürlich immernoch angefressen, dass ich großartige Fotos des Tages hatte und keine verkaufen konnte, da ja schon überall längst Redaktionsschluss war. Sinnlos.

Zumindest ein Geburtstag, den ich wohl nicht so schnell vergessen werde.

Ich geh jetzt baden,

Böhler

P.S.: Gestern kam mein Paket von Base – UMTS FLatrate für den Laptop. NIE wieder werde ich irgendwo stehen und meine Bilder nicht los bekommen. NIE WIEDER. Auch nicht zum Geburtstag. ;)

4 Kommentare. Kommentiere dies

  1. by Peter

    Erstmal: Glückwunsch nachträglich!

    Bis zum nächsten Ehrentag empfehle ich, das “Nein”-Sagen zu üben. Jeden Morgen vor dem Spiegel drei mal deutlich “Nein” sagen. Kann sehr hilfreich sein ;-)

  2. by Maria

    Man stelle sich vor: Fahrschule, Autobahnfahrt. Du freust dich zum einen, dass du im Stau stehst, du bist ja aufgeregt. Zum anderen kotzt du tierisch ab, weil du mit deinem langweiligen Fahrlehrer auf der Autobahn gefangen bist. Auf einmal kommt von hinten dieser LKW… Ich glaub, wenn mir das in der Fahrschule passiert wäre, wäre ich nie wieder in ein Auto gestiegen. -.-

  3. Nachträglich alles Gute!
    Mein Beileid für die Story. Falls keiner deine Fotos kaufen will, versuchs mit der Story dazu :-)

  4. by Eric

    Mann hats schon nicht leicht als Fotograf. Für ein gutes Foto tut man fast alles. Naja wenn Du Deinen Geburtstag nicht feiern konntest, dann wirst Du eben erst in einem Jahr ein Jahr älter ;-)

    Auf jeden Fall super geschrieben die Geschichte und klasse Fotos (wie immer).

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